Die Marienschule in der Tradition Maria Wards


Wenn sich die Marienschule Fulda auch rein äußerlich immer wieder wandeln musste, wenn sich auch Lehrpläne und –methoden änderten, so blieben doch die Wertvorstellungen Maria Wards lebendig, erwiesen sich als zeitneutral und aktuell. Sie sollen folglich das Profil der Marienschule weiterhin bestimmen bzw. ihr als tragendes Fundament dienen. Drei Begriffe sind es, die Maria Ward in den Mittelpunkt ihres geistig-geistlichen Lebens stellte:


  1. Die innere Freiheit und Unabhängigkeit durch die Hinordnung auf Gott, verbunden mit der vollen Bereitschaft und Befähigung zum Dienst am Nächsten.

  2. Die Haltung der Gerechtigkeit, gekennzeichnet durch Werke der Gerechtigkeit, in denen sich keine Schuld findet, und

  3. als Fundament die Wahrhaftigkeit, dass „wir so sein sollten, wie wir uns zeigen und uns zeigen sollten, wie wir sind“.


ad 1.
Maria Wards Wertvorstellungen: Innere Freiheit und Unabhängigkeit
Maria Ward gelangte auf ihrem Weg der „Freiheit von aller Anhänglichkeit an irdische Dinge zur inneren Bereitschaft und Tauglichkeit zu allen guten Werken“. Sie entwickelte „die Gabe der Unterscheidung“ und orientierte sich an ihrem Gewissen.

Realisierung im Schulalltag:
Die Lehrerinnen und Lehrer der Marienschule wollen ihre Schülerinnen zur inneren Freiheit erziehen, d. h.

  • ihre Fähigkeit zur kritischen Unterscheidung fördern,
  • das Streben nach schneller Bedürfniserfüllung in Frage stellen,
  • Abhängigkeit von gesellschaftlichen Trends und scheinbaren Sachzwängen aufdecken.


Auf dieser Grundlage bereiten sie die Schülerinnen darauf vor, Verantwortung im öffentlichen Leben zu übernehmen, sich in Wirtschaft und Kultur, im Erziehungswesen sowie im sozialen Bereich zu engagieren und ihren Standpunkt zu vertreten. Die Lehrerinnen und Lehrer der Marienschule wollen Mädchen dazu anleiten, Wissenschaft zu betreiben, jedoch nicht als Selbstzweck oder um Macht auszuüben. Einen möglichst hohen wissenschaftlichen Leistungsstand in Verbindung mit christlich ethischen Grundsätzen zu erreichen ist für sie sowohl Teil der Persönlichkeitsbildung als auch Dienst an der Welt.

ad 2.
Maria Wards Wertvorstellung: Haltung der Gerechtigkeit
Maria Ward legte Wert auf die praktische Verwirklichung des als richtig Erkannten in allen Lebensbereichen. Sie verlangte, man solle „alles recht tun …, auch gewöhnliche Dinge, Pflichten, Ämter und Geschäfte“. Sie sah die Nöte der Zeit und handelte mit großem Mut und dem Einsatz ihrer ganzen Kraft, wo sie es für notwendig hielt. Durch diese Haltung der Gerechtigkeit lebte sie in Frieden mit sich selbst und war fähig zur Freundschaft.

Realisierung im Schulalltag:
Die Lehrerinnen und Lehrer der Marienschule bemühen sich aus Überzeugung eine christlich fundierte Wertorientierung vorzuleben und die Schülerinnen auch in ihrem spirituellen Leben anzuleiten und zu fördern. Sie unterstützen sie bei der Entwicklung ihrer Persönlichkeit und der Fähigkeit, dauerhafte Beziehungen einzugehen.

ad 3.
Maria Wards Wertvorstellung: Wahrhaftigkeit
Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit erschienen ihr als Fundament, das nötig ist, um wahre Weisheit zu erlangen, und die Kraft, Gottes Willen in ihrem Leben umzusetzen. Als Beispiel sei genannt die Erkenntnis,


  • dass es „keinen derartigen Unterschied zwischen Frauen und Männern gibt, dass Erstere nichts Großes leisten können.“,
  • dass auch Frauen „die Wissenschaft suchen um des Zieles willen, zu dem sie führt, das da ist: Gott.“


Sie hielt Männer und Frauen für gleichwertig in ihrer Fähigkeit, nach Wahrheit zu streben und recht zu handeln. Sie widmete sich deshalb der Erziehung der Mädchen, damit diese die christlichen Werte später in ihrem Umfeld weitergeben konnten.

Realisierung im Schulalltag:
Die Lehrerinnen und Lehrer der Marienschule wollen Mädchen dazu anleiten, sich ihres Wertes als Frauen bewusst zu werden und ihre Fähigkeiten auf allen Gebieten nach Kräften zu entwickeln. Sie wollen ihre Schülerinnen ermutigen, sich mit dem christlichen Glauben auseinanderzusetzen. Deshalb bieten sie ihre Begleitung und Beratung an auf dem Weg zur Selbstständigkeit und damit zur Verantwortung für das eigene Leben und das Leben anderer.