"Eine goldene Spur" durch die Marienschule

Schulleiter Dr. Oswald Post in den Ruhestand verabschiedet

Am Donnerstag vor den Herbstferien wurde Oberstudiendirektor Dr. Oswald Post nach zwölf Jahren als Schulleiter der Marienschule in den Ruhestand verabschiedet.
Zwar vereitelten die Corona-Vorschriften die - längst geplante - Abschiedsfeier für die ganze Schulgemeinde. Doch begriffen die Schülerinnen und ihre Lehrkräfte die Situation bald als neue Chance.
So wurde Schulleiter Dr. Post in seiner letzten Schulwoche auf eine Rallye durch die Schule geschickt:
In vielen Klassen erwarteten ihn Ständchen, Gedichtvorträge, Tänze und Spiele. Diese persönlichen
Abschiedswünsche "seiner" Schülerinnen hätten ihn tief berührt, gestand Dr. Post später in der offiziellen Feierstunde. Auch einige Schulgremien und Fachschaften luden - stets im kleinen Rahmen - zu unterhaltsamen Abschiedstreffen ein.

Am Donnerstag vor den Herbstferien füllte sich dann die festlich geschmückte Teresahalle mit zahlreichen geladenen Gästen: Zur feierlichen Verabschiedung erschienen - außer Familie Post und vielen Mitarbeiter/innen der Schule - auch Vertreter/innen aus Bistum, Schulverwaltung und Kommune.
Eröffnet wurde die Feier mit einer Dankandacht. Schulpfarrer Sebastian Bieber verwies auf das Kreuz im Hintergrund: Es markiere in der Geometrie einen Punkt unzweideutig; doch spannten sich an ihm auch die Extreme aus, zwei Blickachsen, die den Alltag immer wieder von echter Erhebung erfüllten. Danach segnete er das Kreuz, das Dr. Post für die Schulkapelle der Marienschule gestiftet
hat. Es stammt aus der Schmiede des Benediktinerklosters Königsmünster (Meschede).
In seiner Begrüßung der Gäste brachte der stellvertretende Schulleiter StD Karsten Keller die Beziehungsfähigkeit von Dr. Post ins Spiel: "Beziehungspflege war ihm immer wichtiger als flüchtige
'connections'." Ihn zu treffen sei immer echte Begegnung; so sei ihm auch die Marienschule zuallererst ein pastoraler Ort gewesen. "Sein Dienst an der Sache war immer auch ein Dienst am Menschen", resümierte Keller und dankte seinem langjährigen Chef für die gute Zusammenarbeit.


Für den Vorstand der Stiftung Marienschule wies Winfried Engel darauf hin, dass Dr. Post im August 2008 als erster Mann überhaupt die Leitung der Marienschule seit der Gründung 1733 übernahm. Besonders habe Dr. Post dazu beigetragen, Qualitätskriterien für katholische Schulen als "pädagogische Lern- und Lebensräume" zu entwickeln. Auch selbst habe Post eine Schulkultur geprägt, in der Glaube im Schulalltag sichtbar wird. Dabei sei ihm die Spiritualität Mary Wards stets ein Herzensanliegen gewesen, auch nach dem Weggang der Maria-Ward-Schwestern aus Fulda (2015). Dies sei - mit einem Bild des Dichters Friedrich Rückert - die eigentliche "goldene Spur", die Dr. Post an der Marienschule zurücklässt. Auch erwähnte Engel zahlreiche Maßnahmen, die in Dr. Posts Amtszeit in Angriff genommen wurden. Sie weisen die Marienschule zur Zeit als hochmoderne
Bildungseinrichtung aus: die vielen Bauprojekte seit 2011 (Mediathek, Art-Deco-Trakte Maria und Hildegard, Cafeteria, Kunstfachräume, Teresahalle, Haus Edith Stein), die Einführung der Realschule 2013 und die konsequent vorangetriebene Digitalisierung.


"Du bringst nichts mit hinein, du nimmst nichts mit hinaus, lass eine goldene Spur im alten Erdenhaus."
Friedrich Rückert


Nach dieser Laudatio dankte die Leitende Schulamtsdirektorin Rita Schmidt-Schales (Staatliches Schulamt Fulda) Dr. Post für sein langjähriges Wirken im Dienste der Schule und der Schülerinnen. Bei der Übergabe der Entlassungsurkunde wünschte sie dem Pensionär eine Zukunft "unter dem Schutz des Höchsten" (Psalm 91) und überreichte dazu das "biblische" Geschenk eines Reebstocks.


Es folgten mehrere Grußworte, die auf markante Eigenschaften des Schulleiters verwiesen: Bescheidenheit, Integrität und Empathie zeichneten ihn aus, aber auch Zielstrebigkeit, Innovationsbereitschaft und Konfliktfähigkeit - und sein Engagement für eine reformfähige Kirche. Weihbischof Prof. Dr. Karlheinz Dietz überbrachte den Dank des Bistums Fulda. Für die Maria-Ward-Schwestern sprach Schwester Cosima Kiesner CJ, Provinzoberin der Congregatio Jesu. Fuldas Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld dankte im Namen von Stadt und Landkreis Fulda. Nebenbei versicherte der OB, die Marienschule habe ihn persönlich stark geprägt: Schließlich seien seine Frau, zwei Schwägerinnen und seine Schwiegermutter in die Marienschule gegangen. Für die Gymnasien im Landkreis Fulda sprach OStD Markus Bente (Wigbertschule Hünfeld), für die Schulen im Bistum Fulda OStD Thomas Wolf (Gymnasium Kreuzburg / Großkrotzenburg). Für das Studienseminar Fulda dankte OStD Martin Böhne für viele Jahre vertrauensvoller Zusammenarbeit.


Das Verhältnis zwischen Schulleitung und Kollegium brachte die MAV-Vorsitzende Martina Noll auf den Punkt: "Sie waren bei uns im Team!" Für die Mitarbeiter/innen der Stiftung Marienschule bedankte sie sich für einen Führungsstil, der stets das Miteinander gesucht habe. Mit Wertschätzung, Vertrauen und Offenheit für die Anliegen der MAV habe Dr. Post sich im Kollegium großes Ansehen erworben. Namentlich erwähnte Frau Noll das Engagement von Dr. Post für die Austauschpartnerschaften der Schule und für die spirituelle Entwicklung des Kollegiums. Da er für seine Vision von Schule immer "gebrannt" habe, erhielt er für den Gartentisch ein Schmelzfeuer.


Für den Schulelternbeirat bedankte sich Andreas Pörtner: Die Eltern hätten bei Dr. Post stets ein offenes Ohr gefunden. Die Zusammenarbeit sei immer konstruktiv und zum Wohle der Schülerinnen
gewesen. Ihre Anerkennung brachten die Eltern mit einer Spende für ein Entwicklungsprojekt zum Ausdruck.


Ebenfalls anerkennende Worte fand die Vertretung der Schülerinnen: Lisa Mientus und Anna Kohlhepp dankten dafür, dass Dr. Post die Nöte und Wünsche der Schülerinnen immer ernst genommen habe und sich gerne mit den Jugendlichen ausgetauscht habe. Sie überreichten einen Präsentkorb und zusammen mit dem Schulleitungsteam einen blauen "Dr.-Postkasten": einen Briefkasten, prall gefüllt mit Abschiedswünschen aller Klassen; dazu ein Porträt des Schulleiters, angefertigt von Kunstlehrerin Michaela Barth, und eine Fotosammlung aus seiner Amtszeit.


In seinem Schlusswort betonte Dr. Post die Bedeutung christlicher Bildung und appellierte an die Verantwortlichen, sich für den Bestand kirchlicher Bildungseinrichtungen im Bistum Fulda einzusetzen. Auch dankte er allen, die ihn in den vergangenen zwölf Jahren unterstützt hätten: den Schuleltern, dem Kuratorium, den Mitarbeitern/innen und ganz besonders seiner Familie, die oft auf ihn habe verzichten müssen.


Musikalisch umrahmt wurden die Reden vom Streicherensemble der Marienschule unter der Leitung von Frank Neidel (Klavier). Die Musikerinnen erfreuten die Zuhörer mit beschwingten englischen Traditionals. Mit dem jiddischen Song "Bei Mir Bistu Shein" wurden die Gäste schließlich zum Empfang in den Schulhof entlassen - ein heiterer, aber auch passender Schlusspunkt für eine Feier, die sich - fernab jeglicher "Lobhudelei" - durch Authentizität und aufrichtige Wertschätzung für den scheidenden Schulleiter kennzeichnete.

Paul Berbée / Marienschule