Der Deutsch-Polnische Austausch der Marienschule


Ein Austausch mit Frankreich, den USA oder mit Großbritannien ist an deutschen Schulen Normalität. Eine Schülerbegegnung jedoch zusammen mit einer polnischen Schule wird von vielen eher weniger erwartet. Und doch, oder gerade deswegen, ist ein solcher Austausch etwas Besonderes:

In Kooperation mit dem Deutsch-Polnischen Jugendwerk (DPJW) und der Arbeitsgemeinschaft katholisch-sozialer Bildungswerke in der Bundesrepublik Deutschland e.V. (aksb) wollen wir unseren Beitrag leisten, damit Freundschaften entstehen können und hierüber Polen und Deutsche in freundschaftlicher Weise zusammenwachsen.

Seit 1994 pflegen wir unsere Partnerschaft mit dem Gimnazjum i Liceum Sióstr Zmartwychwstanek (Gymnasium und Lyzeum der Schwestern der Wiederauferstehung Christi) in Poznań (Posen). Dieser Austausch fußt auf einen 1989 geschlossenen „Vertrag über Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit“. Angesichts der gemeinsamen und leidvollen Geschichte stehen Annäherung und Aussöhnung im Zentrum dieser Verträge und damit auch im Fokus dieses Austauschs. Das ist allerdings ein langer Weg und bedarf viel Pflege und Zuwendung. Um eine aktive Partnerschaft zu gestalten, organisieren beide Schulen seither die Begegnungen im jährlichen Wechsel.


Die fortwährenden Bemühungen und positiven Erlebnisse haben es in den vergangenen Jahren geschafft, dass ehemalige und hartnäckig erhalten gebliebene Vorbehalte und Vorurteile immer bedeutungsloser wurden. Die Zahl der Schülerinnen und Elternhäuser, die gern bereit sind, diesen Austausch mitzugestalten, wächst stetig. Auch wachsen unsere Teilnehmerinnen während des Austauschs in ihrer Persönlichkeitsbildung: der gewonnene Erfahrungsschatz, der erweiterte Horizont und die nun veränderte Sicht auf scheinbar Alltägliches ist den Mädchen deutlich anzumerken und stärkt sie sichtlich im Umgang mit Mitmenschen, Konventionen, Erwartungen und Erlebtem.


Die soziokulturellen Aspekte unseres Austausches sind mannigfaltig: Unsere Mädchen erleben im Miteinander Familiensituationen, Freizeitorganisation und -gestaltung, ökologische und ökonomische Aspekte des Lebens genauso wie sie auf unterschiedliche Lebenschancen aufmerksam werden und die entsprechenden Lebensentwürfe einzuschätzen lernen. Stellvertretend für unsere Schule, unseren Förderverein und die bisherigen Teilnehmer hoffe ich, dass uns Jahr für Jahr, Stein für Stein das Mosaik unseres freundschaftlichen Miteinanders über den deutsch-polnischen Austausch unserer Schulen immer mehr gelingen möge und eine herzlich-nachbarschaftliche Beziehung geschaffen werden kann.


In den vergangenen Jahren haben viele auf organisatorischer Seite zu diesem Mosaik ihre Steine beigetragen: Dank gilt vor allem der ehemaligen Direktorin Mater Romana Menz, Herrn Paul Berbée, Herrn Jürgen Manns und Frau Solveig Bub.


Nach acht Jahren Tätigkeit und Organisation wird die Leitung nach der kommenden Begegnung im Herbst 2018 zum 25jährigen Bestehen unseres Austauschs an Frau Nicole Hamacher und an Herrn Frank Neidel vollständig übertragen.

Johannes Henning

(Austauschleiter bis 2017)